Geschafft - Ein neuer Job!

Das Leben kann manchmal ganz schön hart sein! Eigentlich hatte ich gedacht, wenn die Kinder aus dem Gröbsten raus und gut in der Schule untergebracht sind, dann starte ich beruflich durch. Meinen Beruf als Friseurin hatte ich immer sehr gerne gemacht. Aber dann kam alles ganz anders: Ich bin jetzt Mitte 40, habe mehrere Bandscheibenvorfälle hinter mir und einen Herzinfarkt. Als Friseurin werde ich nie wieder arbeiten können. Etwas anderes habe ich aber nicht gelernt. Und arbeiten muss und will ich, denn ich bin alleinerziehend. Doch welcher Arbeitgeber sollte mich - schwerbehindert, alleinerziehend und schon lange ohne Arbeit - einstellen wollen?

Mit diesen "tollen" Voraussetzungen kam ich zum Netzwerk1A. Mit meiner Integrationsbegleiterin Frau Schütze war ich sofort auf einer Wellenlänge. Mit ihr konnte ich sehr offen über meine gesundheitlichen, persönlichen und auch beruflichen Sorgen sprechen. Aber auch über meine Interessen und über die Dinge, die ich gut kann. Wir haben dabei herausgefunden, dass eine Tätigkeit als Hauswirtschaftskraft sehr gut zu mit passen würde. Frau Schütze hat mich dann dabei unterstützt, meine Bewerbungsunterlagen ansprechend zu gestalten und den Kontakt zu möglichen Arbeitgebern aufgenommen. Das ist schon etwas ganz anderes, wenn man nicht mehr "allein auf weiter Flur" eine Arbeitsstelle sucht, sondern jemand an der Seite hat und den Rücken gestärkt bekommt. Ich war überrascht, dass ich nach kurzer Zeit schon zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen wurde. Frau Schütze hat mich dorthin begleitet. Bei diesem Arbeitgeber konnte ich in einem Praktikum ausprobieren, wie ich mit dem Arbeitsalltag zurecht komme. Auf meine Schwerbehinderung reagierte hier keiner mit Vorbehalten: Meine Kollegen und mein Chef wissen, dass ich zwischendurch mal ab und zu eine Pause machen muss, auch wenn ich das selbst oft gar nicht will. Mein Arbeitspensum schaffe ich trotzdem, darauf können sich alle im Team verlassen.

Beratung auf Augenhöhe: Netzwerktreffen

"Das ist ja richtig gut gelaufen!" sagt Maria Koch nach dem ersten Netzwerk-Treffen für Teilnehmer, das sie als Peer-Beraterin begleitet hat, "die Teilnehmer waren ja ganz offen und haben sich gegenseitig richtig gute Tipps gegeben!" Dass die kleine Gruppe von vier Teilnehmern so gesprächsbereit war, liegt mit Sicherheit auch daran, dass sie in Maria Koch eine Ansprechpartnerin hatten, die ihre Situation sehr genau kennt, da sie selbst aufgrund einer Erkrankung ihre langjährige Arbeitsstelle aufgeben und sich beruflich neu orientieren musste. So kann sie Ihre Erfahrungen zu den Themen beisteuern, die den Teilnehmern von Netzwerk1A "unter den Nägeln brennen": Frust über viele vergebliche Bewerbungen, gesundheitliche Sorgen, Erfahrungen im Umgang mit Ämtern und Behörden oder Ideen zur Freizeitgestaltung mit wenig Geld ... bei den Netzwerk1A-Treffen bestimmen die Teilnehmer, was ihnen wichtig ist. Und diese Themen sind und auch wichtig, da die Wiederaufnahme einer Arbeit viel besser gelingt, wenn das persönliche Umfeld ok ist und die Gesundheit sich stabilisiert.

Einige Teilnehmer nutzen im Anschluss an das Treffen die Gelegenheit zu einem Einzelgespräch mit dem Integrationsbegleiter oder bleiben noch etwas länger, um im Schulungsraum des Nerzwerk1A selbständig die Internet-Jobportale nach Stellenangeboten zu durchstöbern oder Bewerbungen vorzubereiten.

Aus dem Tagebuch einer Integrationsbegleiterin

8.30 Uhr: 

Als ich ins Büro komme, wartet schon Frau R. auf mich. Sie kommt mehrmals in der Woche, um in unserem Schulungsraum am PC nach Stellen zu recherchieren und Bewerbungen zu schreiben. Heute hat sie Fragen zum Text ihres Bewerbungsanschreibens. Ich nehme mir Zeit, um den Text mit ihr zu überarbeiten.

9.30 Uhr:

Ein neuer Teilnehmer kommt zum Erstgespräch. Ich erkläre ihm, was ihn im Projekt Netzwerk1A erwartet. Er findet es gut, dass er bei uns individuelle Beratungstermine und eine persönliche Begleitung für seine Stellensuche bekommt. Ich höre heraus, dass er schon viele vergebliche Bewerbungsversuche unternommen hat. Wir schließen eine Teilnahmevereinbarung ab und vereinbaren den nächsten Termin für ein ausführliches Anamnesegespräch. Dann soll er auch seine Unterlagen mitbringen.

10.30 Uhr: 

Zeit für einige Anrufe bei Firmen, denen ich Bewerbungen meiner Teilnehmer zugesandt hatte. Mal nachhören, wie die Chancen stehen...

11.15 Uhr:

Frau S. hat heute ein Vorstellungsgespräch. Da sie nicht perfekt Deutsch spricht, möchte sie, dass ich sie begleite. Das tu ich natürlich gern.

13.00 Uhr:

Das Vorstellungsgespräch ist gut gelaufen! Frau S. kann bei dem Arbeitgeber nächste Woche Probearbeiten. Ich rufe beim Jobcenter an, um alles erforderliche abzuklären.

13.15 Uhr:

Herr R. kommt vorbei und bringt mir sein neues Bewerbungsfoto. Ich versende zwei Bewerbungen per E-Mail für ihn, da er zu Hause keinen eigenen Computer hat.

14.00 Uhr

Drei Teilnehmer kommen zum sogenannten Kompetenzcheck. Das heißt: sie machen unter meiner Anleitung verschiedene Übungen und Aufgaben, die mir helfen zu erkennen, was sie gut können und für welche Arbeitsbereiche sie einsetzbar wären.

16.00 Uhr

Jetzt ist bald Feierabend! Ich beantworte noch eine E-Mail von Herrn B. - Er ist hörgeschädigt und daher tauschen wir uns regelmäßig per Mail aus. Er schreibt, dass man ihm einen Arbeitsvertrag angeboten hat. Das klingt gut! Ich werde gleich morgen mit dem Arbeitgeber Kontakt aufnehmen.